Haltung

Perron 12 ist der UN-Kinderrechtskonvention verpflichtet und orientiert sich an den UN-Leitlinien für alternative Formen der Betreuung von Kindern (Guidelines for the Alternative Care of Children, 2009). Als fachlichen Qualitätsrahmen nutzen wir die Quality4Children-Standards für die ausserfamiliäre Betreuung, die in der Schweiz von Integras/FICE Schweiz weiterentwickelt werden.

Kinder und Jugendliche, die nicht bei ihren Eltern aufwachsen können, sollen ihre Zukunft so gestalten können, dass sie zu selbstbewussten, unabhängigen und aktiven Mitgliedern der Gesellschaft heranwachsen. Dafür brauchen sie ein unterstützendes, schützendes und fürsorgliches Umfeld, das ihre Rechte achtet und die Entfaltung ihres Potenzials fördert.

Perron 12 versteht sich als lernende Organisation: Wir reflektieren unsere Erfahrungen, nehmen Rückmeldungen ernst und entwickeln unser pädagogisches Handeln laufend weiter.

Menschenbild

Unser Menschenbild ist humanistisch geprägt. Perron 12 ist politisch und konfessionell neutral, steht unterschiedlichen Kulturen offen und respektiert verschiedene Lebensentwürfe. Alle Jugendlichen sind gleichwertig – unabhängig von Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung, Religion, Kultur, Behinderung oder Lebensentwurf. Wir begegnen ihnen mit Achtung, Verständnis und Akzeptanz.

Unterschiedliche Biografien, Verhaltensweisen und Bedürfnisse verstehen wir als Ausdruck individueller Lebenswege und nicht als Defizit. Diskriminierung tolerieren wir nicht.

Traumapädagogische Haltung

Viele Jugendliche im Perron 12 haben belastende oder traumatische Erfahrungen gemacht. Herausforderndes Verhalten verstehen wir deshalb häufig als Versuch, diese Erfahrungen zu bewältigen – und nicht in erster Linie als «Fehlverhalten». Im Zentrum unserer Arbeit stehen Sicherheit, verlässliche Beziehungen, ein strukturierter Alltag sowie die Förderung von Selbstwirksamkeit und Teilhabe.

Unsere fachliche Basis ist die Traumapädagogik, ergänzt durch systemische, entwicklungspsychologische und ressourcenorientierte Ansätze. Wir sehen die Jugendlichen als Individuen mit eigenen, legitimen Bedürfnissen – eingebettet in ihre Herkunftsfamilie, ihr Umfeld und die Perron 12 Patchwork-Modellfamilie.

Wir fühlen uns für die pädagogische Arbeit persönlich verantwortlich und verstehen Beziehungsgestaltung als unsere zentrale Aufgabe. Professionelle Nähe und Distanz, Empathie und Wertschätzung sind dabei leitend. Negative Beziehungserfahrungen, problematische Verstrickungen und Retraumatisierungen vermeiden wir aktiv.

Unser Handeln soll vorhersehbar, transparent und nachvollziehbar sein. Gemeinsam mit den Jugendlichen vereinbaren wir klare, überprüfbare und realistische Ziele, die wir regelmässig überprüfen und anpassen. So sollen die Jugendlichen das tragende Gefühl erfahren, dazuzugehören, wertvoll und einmalig zu sein und mit ihren Konflikten angenommen zu werden.

Therapie und Pädagogik ergänzen sich: Die Bearbeitung traumatischer Erfahrungen findet in externen Therapien statt. Perron 12 bietet den stabilisierenden, alltagsnahen Lebens- und Lernort, der diese Prozesse unterstützt.